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Abu Dhabi investiert in die Erfurter Solarenergie

Besteuerungsabkommen erschwert das Masdar-Projekt

Her. ABU DHABI - Mit Investitionen von 2 Milliarden Dollar will die Masdar PV einer der führenden Hersteller von Solarmodulen werden. In einem ersten Schritt investiert die Tochtergesellschaft des Staatsunternehmens Masdar aus Abu Dhabi 600 Millionen Dollar in zwei neue Werke in Erfurt und Abu Dhabi. Danach stehen weitere 1,4 Milliarden Dollar bereit, um die Kapazität der zwei Standorte bis um das Vierfache aufzustocken. In den 2 Milliarden Dollar sind die Investitionen für mögliche weitere Produktionsstandorte in den Vereinigten Staaten nicht enthalten. Die Masdar Photovoltaic (PV) untersuche den amerikanischen Markt, sagt Rainer Gegenwart, der Geschäftsführer der Masdar PV GmbH in Erfurt, der ersten Investition der Masdar PV. Künftig werden alle Photovoltaik-Werke von Masdar in der Masdar PV Holding, wie die Muttergesellschaft dann heißen wird, zusammengefasst. Das Staatsunternehmen Masdar hat den Auftrag, im Emirat Abu Dhabi die erneuerbaren Energien als Wirtschaftszweig zu etablieren. In das Werk der Masdar PV GmbH in Erfurt fließt ein Drittel der 600 Millionen Dollar.

Die Grundsteinlegung für das 2007 entwickelte Werk in Erfurt fand im August 2008 statt. Lieferant für die Kompetenzausstattung ist die Technologiegruppe "Applied Materials" aus Santa Clara und Alzenau (Unterfranken). Gegenwart erwartet, dass die Produktion im ersten Quartal 2010 aufgenommen wird. Das Werk wird dann eine Kapazität zur Herstellung von Modulen für 210 Megawatt haben. 2010 werde in Abhängigkeit von der Marktentwicklung die Entscheidung über die Aufstockung der Kapazität gefällt. Das Werk in Erfurt wird die Märkte in Deutschland und in Südeuropa beliefern. Schrittweise soll auch der amerikanische Markt erschlossen werden. Außerdem solle ein heimischer Markt zur Marktentwicklung in den anderen Golfstaaten aufgebaut werden, sagt Gegenwart.

Produziert werden in Erfurt Wafer, also dünne Siliziumscheiben, die zu Solarzellen verarbeitet werden, sowie Solarzellen und Module. Das Werk in Erfurt hat Lieferverträge für die Colexon Energy AG und die Parabel Solar AG unterzeichnet. Beliefert würden Großabnehmer für große Solarsysteme und Interessenten für Dünnschichtmodule von mehr als 5,7 Quadratmetern. Zunächst sind in Erfurt 180 Personen beschäftigt. Mit der Kapazitätsaufstockung könne diese Zahl auf 600 Beschäftigte steigen, sagt Gegenwart. Entscheidend für die Wahl des Standorts Erfurt seien das technologische Umfeld, die Fördermöglichkeiten, die Verkehrsanbindung und die Verfügbarkeit von Personal gewesen. Die Investition in Erfurt sei vergleichbar mit den Investitionen von First Solar in Frankfurt (Oder) und Sunfilm in Dresden. "Wobei wir die stärkste Muttergesellschaft haben", sagt Gegenwart.

Deutschland soll für alle weiteren Werke der Masdar PV Kompetenzträger sein und die Blaupausen (smart copies) liefern, so Gegenwart. Allerdings sei es schwierig, für die Holding und das Werk in Abu Dhabi qualifiziertes deutsches Personal zu finden. Sollte das neue Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten in der jetzigen Fassung umgesetzt werden, bereite es große Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu entsenden. "Es hat uns bereits zurückgeworfen", bedauert Gegenwart.

Text: F.A.Z., 02.02.2009, Nr. 27 / Seite 14

Arabischer Investor kauft Flughafen Cochstedt

Land Sachsen-Anhalt kooperiert mit Investoren aus Abu Dhabi

Magdeburg - Der Finanzausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt hat am Mittwoch dem Verkauf des früheren sowjetischen Militärflughafens Cochstedt nahe Magdeburg an einen großen Investmentfonds aus dem Emirat Abu Dhabi zugestimmt, der den Flughafen zu einem Frachtflug-Drehkreuz ausbauen will. Nur die Abgeordneten der Linkspartei enthielten sich der Stimme. Ohne die Zustimmung des Ausschusses hätte der Verkauf nicht erfolgen können.

Wirtschaftsminister Haseloff (CDU) sagte, der schon im internationalen Frachtflugverkehr tätige Betreiber wolle ein mittleres Frachtflugzentrum "für Güter jeglicher Art" aufbauen, sobald die Genehmigungen für Landungen größerer Flugzeuge im 24-Stunden-Betrieb erteilt seien. Trotz der schwierigen Marktlage im Luftverkehr und der Nähe zum Flugkreuz Leipzig/Halle sei das Betreiberkonzept realistisch. Bis zu 200 Arbeitsplätze sollen in der Region entstehen. Neun Millionen Euro soll der Fonds, der auch Mittel arabischer Staaten verwaltet, als Kaufpreis für den Flughafen entrichten. Trotz der 60 Millionen Euro, die der alte Betreiber und das Land Sachsen-Anhalt bisher für den Flughafen ausgegeben haben, gilt dieser Preis als marktgerecht, weil der neue Betreiber nach Schätzungen 30 bis 60 Millionen Euro für den Ausbau der Infrastruktur aufwenden muss.

Die sowjetischen Besatzungstruppen hatten 1957 den Flughafen 37 Kilometer südlich von Magdeburg nahe der innerdeutschen Grenze als Stützpunkt ihrer Luftstreitkräfte eingerichtet; 1968 und 1997 war die Landebahn verlängert worden und ist heute 3000 Meter lang und 45 Meter breit, so dass auch Großraumflugzeuge in Cochstedt landen können. Schon vorhanden sind unter anderem Abfertigungsgebäude und ein Tower mit Instrumentenlandesystem. Ein früherer Betreiber hatte 2001 Insolvenz angemeldet, auch waren die Eigentumsverhältnisse an dem Gelände diffus. Der Flughafen Cochstedt war schließlich zu einem Symbol fehlgeschlagener staatlicher Investitionen geworden. Über fünf Jahre hatte die Landesregierung mit insgesamt 70 Interessenten verhandelt. Unter anderem war man mit dem Versuch gescheitert, den Flughafen in die Mitteldeutsche Airport Holding einzubinden, die die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden betreibt. Nun hofft das Land auf den Bau eines neuen Gewerbegebiets im strukturschwachen Salzlandkreis; der "strategische Investor" aus Abu Dhabi sei in aller Welt auf zahlreichen Wirtschaftsfeldern aktiv und denke langfristig.

Quelle: FAZ Magdeburg 28.1.09